Pentimenti

Pentimenti meint eigentlich die Reuestriche beim künstlerisch-gestalterischen Schaffensprozess. Der Maler eines Fresco‘s kann seinen einmal gezeichneten Pinselstrich nicht rückgängig machen. Bei mir sind die Pentimenti Ausstellungsideen, welche in den über 20 Jahren als leitender Kurator beim Verkehrshaus der Schweiz nicht zur Umsetzung gebracht werden konnten. Ein Bedauern, dass die lange Zeit zu kurz war.

Autoscooter neu gedacht

Projektjahr: 2020 (2009)
Partner: Energieanbieter, Elektromobilbranche, et. al.
Idee & Konzept: This Oberhänsli
Umsetzung: nicht realisiert

Das ‚Putschi-Auto‘ (Scooter) ist unerkannterweise die wohl früheste Sozialisierung einer breiteren Öffentlichkeit mit einem individuellen elektrischen Fahrzeug. Ziel ist es, diese Technologie zu transferieren und mit den Zweierfahrzeugen durch verschiedene Räume zum Thema Energie und Elektromobilität zu fahren. Eine bestehende Technologie wird zu einer Besucherattraktion des 21. Jahrhunderts, bei welcher nebst dem Erlebnis eine neue Form der Inhaltsvermittlung im Vordergrund steht. Zusammen mit dem Fahrzeug werden so die Besucher zum Beispiel zu einem Elektron bei seiner Reise durch einen Elektromotor.

Vorerst als Auto für Arme entwickelte sich der Autoscooter zu dem am meisten verbreiteten Elektromobil. Im Bereich des Infotainments kann die Technologie im 21. Jahrhundert einen völlig neuen Besuchermehrwert schaffen.

 

60 Jahre Verkehrshaus

Projektjahr: 2016
Partner: Titlisbahnen, Arosa, Ghosky, Glice, et. al.
Idee & Konzept: This Oberhänsli
Gestaltungsentwurf: Beat Stalder
Umsetzung: nicht realisiert

In der Nachfolge des grossen Bassins sollte die Arena des Verkehrshauses wieder eine Hauptattraktion zu seinem ‚kleinen‘ Jubiläumsjahr (2019) erhalten. Das Bergland Schweiz und seine ausserordentlichen Mobilitätsmöglichkeiten wird mit einer ganzjährig nutzbaren Schlittelanlage gefeiert. Das Konzept ist inspiriert von den ‚montagnes russes‘, welche in den Städten des 17. & 18. Jahrhunderts als Winterattraktion aufgestellt wurden und auf Vorbilder in Moskau und Sankt Petersburg zurückgehen. Die ‚russischen Berge‘ gelten noch vor dem Karussell als älteste Publikumsattraktion. Es waren die Vorläufer der Vergnügungsanlagen in Pärken und Städten.

Moderne Kunststoffbahnen ergeben einen gemässigten Hügel für die Kleinen und eine hochaufragende Schlittelbahn als Attraktion für die gösseren Besucher. Im zeltgeschützten Bereich erhält das älteste Landverkehrsmittel – der Schlitten – eine Ausstellung. In den historische Luftseilkabinen von Arosa und Engelberg sollen Alpenpanoramen thematisiert werden.

Idee & Konzept: This Oberhänsli; Visualisierung: Beat Stalder, www.this-oberhaensli.ch
Bergland Schweiz und die Schlittenbahnattraktion, Vorprojekt für 2019 von This Oberhänsli (Visualisierung Beat Stalder)
Idee & Konzept: This Oberhänsli; Visualisierung: Beat Stalder, www.this-oberhaensli.ch
Ausstellungsturm zum Thema Berglands Schweiz, bzw. Schlitten mit wilder, langer Schlittelbahn und Schlittenhügel für die Kleinsten.
Idee & Konzept: This Oberhänsli, www.this-oberhaensli.ch
‚Ghosky‘ als moderne Schweizer Schlitteninterpretation für die erste 365-Tage-Schlittelanlage der Schweiz

 

Steampunk

Projektjahr: 2010
Idee & Konzept: This Oberhänsli
Gestaltungsentwurf: Henry Wydler
Umsetzung: nicht realisiert

Technik-Visionen sollten als Denkoptionen und weniger als konkrete Lösungungsansätze verstanden werden. Die Geschichte der Zukunftsvisionen erzählt am Beispiel des retro-futuristischen Phänomens Steampunk, welches in den 1980er Jahren vorerst als literarische Strömung in Erscheinung trat. Steampunk entwickelte sich zu einer Subkultur mit eigenem Kunstgenre und Stil. Mit Hilfe der Welten von  Jules Verne, H.G. Wells und Albert Robida sollte die Ausstellung vom kohleschwarzen Dampfzeitalter ins vorerst knapp am Horizont leuchtende Elektrikzeitalter führen.

DS Rigi als Steampunk - Objekt. Konzept This Oberhänsli, www.this-oberhaensli.ch
Das fliegend geruderte Dampfschiff Rigi sollte als grosses Logo-Objekt zum Photospot für eine Sonderausstellung zum Thema Steampunk werden. (Zeichnung: Henry Wydler)

 

Auto-Kino im Verkehrshaus

Projektjahr: 2009
Idee & Konzept: This Oberhänsli
Umsetzung: nicht realisiert

Der wunderbare urbane Arena im Inneren des Verkehrshauses sowie die Möglichkeit mit dem Auto sowohl  durch das Eingangsgebäude als auch durch die Halle Strassenverkehr fahren zu können, liess schon früh den Traum eines Autokinos entstehen. Eine flächendeckende Leinwand liesse sich vom Dach aus vor der Fassade der 2009 neu entstandenen Halle Strassenverkehr herunterlassen. Das Eingangsgebäude zeigte sich in den Vorabklärungen als idealer Standort für die Projektionseinrichtung. Trotz technischer und organisatorischer Idealsituation konnte das Projekt die Genehmigungshürde aus ökonomischen Gründen nicht überwinden.

Der Tüftler Richard M. Hollingshead aus New Jersey erhält ein Patent für sein Drive-in-Kino. In den folgenden 25 Jahren werden in den USA 5000 Anlagen eröffnet. Das erste Drive-in-Kino entstand 1933 in Camden/New Jersey.

 

Aluminium – material of speed

Projektjahr: 2000
Idee & Konzept: This Oberhänsli
Umsetzung: nicht realisiert

Eine Kulturgeschichte zum vielleicht prägendsten Konstruktionsmaterial des 20. Jahrhunderts. Vom unerkannt frühen Aluminiumguss und der guten elektrischen Leitfähigkeit bis hin zum Fahrzeugbau. Mit einem Blick auf die Schweizer Industriegeschichte wird auch der nationale Aspekt erheblich. Das Leichtmetall ‚Alluminium‘ hätte gerade in der Schweiz eine umfassende kultur- und mobilitätsgeschichtliche Darstellung verdient.

Speed: schneller, leichter, weiter.
Unerkannte Beschleuningung: mehr Grip gibt Speed.
Unerkannte Beschleunigung: Fast Food.

 

 

power of steering

Projektjahr: 2005
Idee & Konzept: This Oberhänsli
Umsetzung: nicht realisiert

So wie die Fassadenverkleidung der Halle Strassenverkehr im Verkehrshaus der Schweiz zu einem eigentlichen Statement wurde, sollte sich auch die Ausstellung im Inneren von den meist gleichen garagenähnlichen Autopräsentationen abheben. Einzig der Verkehrsträger Strasse lässt das massenhafte Steuern eines eigenen Fahrzeuges zu: power of steering. Schon der Erfolg des Fahrrades im späten 19. Jh. lehrte uns die Vorteile des Individualverkehrs zu schätzen. Aber schon früh zeigten sich auch die Schwächen des motorisierten Privatverkehrs, so dass Oswald Spengler bereits in den 20er Jahren vermerkte, dass es sich beim Auto um ein System handle, dessen Erfolg sich selber verhindert. Die Darstellung dieses Spannungsraumes von der reinen Freude am Fahren sowie an der Beschleunigung sollte trotz und mit den leidigen Verkehrsstau’s als Chance genutzt werden, eine eigenständige und publikumsattraktive Strassenverkehrsausstellung zum Thema ‚power of steering‘ zu kreieren. Die Finanzsituation zwang das Verkehrshaus jedoch zur Umsetzung von messeartigen und weitgehend fremdfinanzierten Partnerausstellungen mit ganz anderen Qualitäten.